Einleitung
In den letzten 20 Jahren habe ich mit unterschiedlichen Projektmanagement- und Aufgabentools gearbeitet. Egal ob Excellisten, Aufgaben in Outlook, Wasserfallmodell mit MS Project oder agil mit Targetprocess oder Jira. Jedes Programm und jede Methode hatte seine Vor- und Nachteile.
Ich komme aus der Softwareentwicklung und SCRUM hat es mir besonders angetan. Eins habe ich jedoch immer wieder festgestellt. Kein Geschäftsführer interessiert sich dafür wie hoch die Geschwindigkeit innerhalb einer Iteration ist und wie viele Story Points man erledigt hat.
Wichtig ist nur: Wann sind die Projekte erledigt, welche Auswirkungen haben Änderungen an den Priorisierungen für den Zeitplan und wie viel Geld muss ich für zusätzliche Kapazitäten bereitstellen.
Hier kommt SCRUM das eine oder andere Mal an seine Grenzen. Kurz gesagt: MEINE eierlegende Wollmilchsau unter den Projektmanagementtools habe ich noch nicht gefunden.
Daher wollte ich ursprünglich ein kleines Tool entwickeln, dass die Daten per API aus einem Projektmanagementtool zieht, nach meinen Vorstellungen plant und auswertet und anschließend wieder zurückspielt. Und wenn wir schon einmal dabei sind, dann können wir das ganze mit KI machen und uns in das Thema einarbeiten.
Die Nutzung von KI war für mich der Aufbruch in eine neue Welt. Bei jeder Aufgabe, die ich übergab, wusste ich nicht ob ich heulen oder lachen sollte. Ich liebe es zu programmieren, jeden Tag Rätsel zu lösen und kreative Lösungen für Probleme zu finden. Das ist meine Leidenschaft, das macht mich stolz.
KI nimmt mir das weg. Gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit Projekte in Wochen zu bearbeiten für die ich Jahre brauchen würde.
Als ich noch ein Kind war, musste ich zu Weihnachten in meinem Zimmer warten, bis meine Eltern die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilt hatten. Oft waren es nur Minuten, aber bis die Tür endlich geöffnet wurde und ich rauskommen konnte, fühlte es sich wie Stunden an. Mit KI ist jeden Tag und zu jeder Stunde Weihnachten. Ich habe eine Idee und setze sie um. Das Ergebnis sehe ich in kürzester Zeit und kann direkt mit der nächsten Idee fortfahren (entsprechende Tests und Code-Reviews vorausgesetzt).
Das ist neu. Das ist anders. Das ist genauso überragend wie selbst programmieren.
Also habe ich meine Idee geändert. Ich baue jetzt meine eigene eierlegende Wollmilchsau. Und GODAV Pro ist geboren.
Worum es geht
GODAV Pro ist ein Projektmanagementsystem für Organisationen, in denen mehrere Teams an vielen Projekten gleichzeitig arbeiten. Es steuert Projekte, Aufgaben, Requests, Risiken, Termine und Ressourcen an einem Ort. Gedacht ist es für Projektleitungen, Fachabteilungen, Management und die Teams, die die eigentliche Arbeit machen.
Der Anspruch ist schlicht: Jede Seite soll sofort beantworten, wo ich bin, was wichtig ist, was Aufmerksamkeit braucht und was ich als Nächstes tun kann. GODAV Pro ist ein Arbeitswerkzeug, keine Marketing-Webseite. Tabellen und Listen stehen im Mittelpunkt, Dekoration nicht.
Wo es steht
Aktuell steht GODAV Pro auf Version 0.9.6. Von der ersten Projektliste bis hierher sind Boards, Zeiterfassung, Iterationen, Planning Poker, Gantt, Risikomanagement, Berichte, ein Import aus einem anderen System und eine GitHub-Anbindung dazugekommen, dazu ein ganzes Intranet. Was bis zur Version 1.0.0 noch fehlt, steht in einer Roadmap, die ich in der Anwendung selbst pflege. Vor 1.0.0 kommen vor allem Sicherheitsprüfung, Codereview und Fehlerbehebung, also weniger neue Funktionen und mehr Sorgfalt.
Wie ich entwickle
Ein paar Grundsätze ziehen sich durch das ganze Projekt:
- Klarheit vor Dekoration. Farben haben genau eine Bedeutung, Icons sind einheitlich, und jeder Screen folgt derselben Vorlage. Lieber gut lesbar als schick.
- Jede Regel hat einen Grund, und der Grund steht immer dabei. Regeln ohne Begründung werden zu Ritualen und irgendwann umgangen. Deshalb hat jeder Bereich eine Fachakte, die erklärt, wie er gebaut ist und warum.
- Architektur, die sich prüfen lässt. Fachlogik liegt in Services, nicht in Controllern, und die Schichtgrenzen setzt der Linter durch, nicht nur ein Dokument.
- Tests für die Entscheidungslogik. Neue Funktionen kommen mit Tests, und vor jedem Commit laufen Linter, Typprüfung und Testsuite.
- Keine Attrappen. Was nicht fertig ist, erscheint nicht in der Oberfläche. Ein Knopf, der nichts tut, verspricht etwas, das es nicht gibt.
Ich entwickle GODAV Pro zusammen mit Claude Code als KI-Pair-Programmer. Die fachlichen Entscheidungen treffe ich, aber beim Lesen, Schreiben und Prüfen von Code arbeiten wir eng zusammen. Wie das im Alltag aussieht, ist selbst ein Thema für diesen Blog.
Was dich hier erwartet
In diesem Blog berichte ich über neue Funktionen und die Überlegungen dahinter, über Fehler, die erst spät aufgefallen sind, und über Entscheidungen, die ich später anders getroffen hätte. Zusätzlich gebe ich Einblicke in meine Arbeit mit KI und welche Erfahrungen ich gesammelt habe. Manche Beiträge sind eher fachlich, etwa wie eine Planung mit echter Kapazität rechnet. Andere sind technisch, etwa warum ein Kalendertag anders behandelt werden muss als ein Zeitpunkt.
Weiter unten findest du eine Übersicht über alle Werkzeuge, mit denen GODAV Pro gebaut wird.